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Wer atmet bekommt keinen Designpreis

Für mich sind Bild und Text als kreativer Ausdruck immer gleich wichtig gewesen. Hier habe ich meine eigenen Bilder auf mich wirken lassen und geschaut, was mir einfällt. Mal traurig, mal schön, mal versöhnlich, oft alles gleichzeitig.

Das alte Paar.
Müde treiben sie ihren Pflock ins Leben.
Sie ist mehr Tür, er ist mehr Fenster.
Ihre Berührung ist alt und schön
wie ein Sternbild.


Erfriere ruhig, das sieht gut aus.
Konserviere deine Träume als Matrix.
Mach aus dir ein Symbolbild.
Werde digital, denn das Leben stinkt.
Wer atmet bekommt keinen Designpreis.


„Ich bin ein Ponyhof“, schrie ich,
und rumpelte, sang und tanzte
dem Ernst des Lebens an der Nase vorbei.
„So schön wurde ich noch nie erlöst“,
rief der Ernst und winkte.


Ich wollte so groß sein
wie meine Mutter mich sah.
Mit heiligem Entsetzen
streife ich durch die Bauruinen.
Unter meinem Hut leben kleine Vögel.
Wenn ich sie freilasse, sterben sie.


„Du drehst dich nur im Kreis!“
rief der aufsichtsführende Gott.
„So ist es“, gab ich zu und lachte.
„Na gut“, sagte der Gott beruhigt,
gab all seine Befugnisse ab
und wurde zu einem Bauchgefühl.


Du warst immer in dir zu Hause.
Dein Lächeln ist eine gemütliche Stube.
Deine Stimme eine Einladung zum Tee.
Claudine, deine Falten werden tiefer.
Wie passt das zusammen, das Nichts und du?


Mutter:
Das was du nie warst
füllt meine Traurigkeit mit Gold.


Nach dem Schmerz
saß ich vor dem Fenster.
Jahrelang. Und schaute in die Welt.
Aus meinen Einschusslöchern
strömt goldenes Licht.
Ich bin Stern, Haus und Garten.


Freundschaft,
das ist wenn ein Meer
eine Stadt voller Musik hervorbringt.
Manche vergessen wohl,
dass das Weltall eine Spieluhr ist.


Dort, wo alle Winde ihren Anfang nehmen
steht ein Haus.
Tritt ein,

deine Dämonen sitzen schon am Tisch.
Du wirst lachen wenn du sie siehst,
Was für ein herzliches Wiedersehen.


Deine Fenster, Vater, sind voller Staub.
Dein Apfelbaum ist verdorrt.
Du versprachst mir Räume.
Doch deinen Türen fehlt das Haus.
Wer wirst du sein,
wenn ich zurück blicke?


Zuerst dachte ich mein Leben
als Schloss um mich herum.
Dann fand ich den Treppenturm.
Auf jeder Tür steht mein Name anders.
Seltsam: je höher und tiefer ich steige,
desto mehr riecht es nach Wald.


Am Ende war ich so vertrocknet, so leicht.
Sachgerecht heftete ich mich ein letztes mal ab.
Die, die kommen, sind nackt.
Und sie werden die Welt neu singen.



Hätte ich doch einen Scanner
für den Strichcode,
den du dir umgehängt hast.
Ich wüsste so gerne
das Märchen, das dich erzählt



Meine Wenn-Dann-Schwester,
meine aufmerksame Begleiterin,
die mich täglich aus Liebe erwürgt. 
Vor hundert Jahren spielten wir im Garten.
Unsere Krone liegt immer noch dort.



Wenn du erwachsen bist
wirst du das Heilige Kitsch nennen.
Vedichte dann die Trauer, 
bis sie Kristall ist.
Man kann reflektieren ohne zu denken.



Wenn du mit mir sprichst,
sind die Worte durch einen Wald gegangen.
Und ich rieche die Erde,
in der wir alle schlafen.



Haben Sie eine Payback-Karte?
Die Kinder sind aus dem Haus.
Wie die Zeit vergeht.
Ich hatte mal einen Hund,
der hatte schöne Augen.



Ich schrieb das Wort
in der Sprache der Sternbilder
aus Brettern und Metall.
Als heiliges Gerümpel
warf ich es in die Luft.


Ich gebäre Welten
und ziehe sie an Nabelschnüren hinter mir her.
Kleine Heimaten.
Wenn sie sterben, hänge ich sie in den Wind.


Immer war ich unterwegs.
Viele Jahre ruhelos.
Bis aus dem Nachhall meiner Träume
ein Haus um mich wuchs.
Setz dich.
Die Zeit ist ein kleines Mädchen.


Die Weite wurde mir eng.
Der Horizont war nur noch Punkt.
Da kam aus Zeit und Meer
mein ungelebter Bruder.
„Kneif der Göttin in den Po“, sagte er
„und dann schenk ihr alle deine Murmeln“.



Mann bist du verklemmt.
Mann bist du verrostet.
Mann bist du wunderschön.
Hörst du denn nicht
die Bäume in dir rauschen?




Ich bin zusammengebastelt
aus Enttäuschungen.
Aus Not wuchs ich in den Himmel
und erklärte mich zum Palast.
Meine Psyche liegt in Fetzen,
meine Seele ist aus Gold.





Als alle Arbeit getan war
blieb ich liegen
als nutzloses Gerät.
Eine Idee wiegt nicht viel.
So trug mich ein Wind fort.
Grausam schön ist das Meer.





Deine Zeit wird kommen.
Ganz anders als du denkst.
Ich sag es dir nicht,
ich denke es nur:
lass dich treiben.
Das Meer war immer schon da.






Film "Verklemmte Dämonen"

Naja, etwas zwischen Film und Diaschau. Verwendet habe ich die ersten meiner Bildtexte.

Kommentierte Bilder

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Die Kartopraphie des Himmels (2017)


Von dem befreundeten Journalisten Oliver Abraham erhielt ich mal wieder eine Festplatte mit  Bildern. Es ist jedes mal eine Freude, die vielen tausend Bilder nach möglichen Hintergründen durchzusehen. Mich faszinierten gleich die winterlichen Berglandschaften, die eine so magische Ruhe ausstrahlen. Ich sah mir lange das Bild der verschneiten Schweizer Berge an und wartete auf eine Bildidee. Vergebens. Aus meiner Ratlosigkeit heraus drehte ich das Foto und war verblüfft. Die auf dem Kopf stehenden Berge schienen jetzt am richtigen Ort zu sein. Sie wirkten irritierend, aber doch auf merkwürdige Weise glaubhaft. Die karge Winterlandschaft von Yorkshire gab einen spannenden Kontrast.

 

Wieder sah ich mir das Bild lange an.Ich suchte etwas sehr zartes, poetisches um die beiden kraftvollen Landschaften nicht zu überladen. Wenige Tage zuvor war ich im Deutschen Museum in München gewesen, um Fotos für mein Archiv zu machen. Dort fand ich eine aufgefächerte „Fühlerlehre“ zum Messen von Spalten von 1955. Eine einfache Konstruktion, die eine sonderbare Schönheit besitzt. Direkt daneben fotografierte ich im Museum eine „Laufgewichtsbalkenwaage“ aus dem Jahr 1800. Sie bildet den unteren Teil des Fluggerätes auf meinem Bild. Baum, Mensch und Zaun geben dem technischen Gebilde eine menschliche Dimension und machen es kostbar und zerbrechlich.



Supergod (2017)


Die Collage entstand in dem Monat, in dem meine Mutter an einer Krebserkrankung starb. In dieser Zeit war der Bezug zum Existenziellen besonders groß und die Arbeit an den Collagen half mir, zu verstehen, was passiert war. Am Anfang stand eine typografische Spielerei. Ich ordnete die Buchstaben der Worte „God and father and me“ immer wieder neu an. Schließlich nahm ich das „god“ weg und legte Holzlatten über die Buchstaben. Mir war selbst ein Rätsel, warum ich mich so sehr mit diesen Worten beschäftigte.

Von Anfang an hatte dieses Bild einen Sog, ich musste es einfach fertigstellen. Oberhalb der Buchstaben konstruierte ich ein Holzgerüst, das immer weiter wuchs. Von Anfang an war mir wichtig, einen Teil des Bildes nur aus Fenstern und den anderen nur aus Türen bestehen zu lassen, eine Idee, die seit einigen Jahren immer wieder auftaucht. Für mich ein Bild für Lebensbereiche, die unverbunden sind, aber nur in der Verbindung  ihren Sinn entfalten können.

Natürlich ist dieser Gott kein Supergott. Hinter den Türen und vor den Fenstern ist nichts. Er ist verblichene Fassade. Vielleicht der wehmütige Blick auf ein Gottesbild der Kindheit. Das irgendwie noch da ist, aber nichts mehr eröffnet. Dieser Gott ist auch  ein Tor in einer öden Landschaft. Man müsste sich bücken um hindurchzugehen. Nichts scheint hinter diesem Tor anders zu sein. Und man könnte es auch sehr einfach umgehen. Trotzdem stelle ich mir vor, dass das merkwürdige Gerüst dem Wanderer auf diesem Weg Angst machen wird.

Ich habe lange an diesem Bild gearbeitet. Es entwickelte wie so oft seine eigenen Gesetze, die ich erst kennen lernen musste. Daher wurde es am Am Ende notwendig, dass ich die Worte „and Father and me“ entfernen musste.



Alles war Kraft  (2017)


Mit meinem Sohn (damals 3 Jahre) ging ich regelmäßig zum „Minichor“. Dort gab es eine Sammlung bunter Kinderkreisel. Die schönsten Holzkreisel habe ich fotografiert. Kurz darauf besuchte ich das Deutsche Landwirtschafts-Museum in Stuttgart-Hohenheim, um mein Archiv mit technischen Geräten und skurrilen Formen zu erweitern. Dort gibt es im Außenbereich ein wunderbares Sammelsurium vor sich hinrostender Geräte. Sehr schnell kam mir die Idee, diese groben Ackerwerkzeuge mit ihren heftigen Gebrauchsspuren mit den zarten „Lustobjekten“ aus der Kreiselsammlung zu kombinieren. Das war der Ausgangspunkt für diese Collage. Das Ausschneiden der Geräte mit Photoshop war sehr zeitaufwändig. Und lange schob ich eher missmutig die Formen hin und her. Es sah immer zu sehr nach Chaos und Beliebigkeit aus. Wie so oft kam irgendwann der Umkehrpunkt. Eine Grundstruktur, eine Grundidee war entstanden und mit ihr so etwas wie die Vision von der Wesenhaftigkeit der fertigen Collage. Von diesem Punkt aus macht sich eine Collage bei mir wie von selbst. Türen, Fenster und ein verschnörkeltes Geländer beseelen das merkwürdige Gebilde. Ein bischen wird es so zum Subjekt.


Erst als das Fluggerät fertig war, begann ich nach einer passenden Landschaft zu suchen. Auch das erwies sich als schwierig. Bei fast allen Hintergründen wirkte die spezielle Anmutung des Objekts künstlich und deplatziert. Erst die Schneelandschaft im verschneiten Nationalpark Darss konnte die notwendige Ruhe und Klarheit bieten.
„Alles war Kraft“ ist eine Spielerei mit Formen. Aber auch (mal wieder) ein Versuch, zwei Lebensbereiche miteinander zu versöhnen: Auf der einen Seite das Aneignen der Natur, Überleben, Effizienz, Leistung. Auf der anderen Seite die zweckfreie Hingabe an die Bedürfnisse der Seele (Kreisel). Wenn beides zusammenkommt ist Kraft da.



Mein Vater war Gewürzhändler (2017)


Ich hatte eine erste Version dieses Bildes bereits im Frühjahr 2017 fertig gestellt und war irgendwie immer unzufrieden damit. Der venezianische Palast war sehr aufwendig zusammen gebaut, ich hatte mir Mühe gegeben, die Proportionen im Gleichgewicht zu halten. Aber alles wirkte steril, fast kitschig. Dann habe ich den Unterbau erneuert, technisch wirkende Details eingebaut und als Hintergrund die äthiopische Flusslandschaft (Bild von Oliver Abraham) verwendet. Endlich sah es nach Leben und Erzählung aus. Bisher zum einzigen mal habe ich gekaufte Bilder verwendet. Die venezianischen Häuser und die Rosette stammen von shutterstock. Es hatte mich gereizt, in der Pracht dieser Architektur zu schwelgen. Selten habe ich allerdings mit einem Motiv so gekämpft wie hier.

 

Die Kraft der mittelalterlichen Architektur war so groß, dass es schwer war, sie zu bändigen und in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Die eckigen Konstruktionen unter dem Palast waren notwendig, um die fliegende Konstruktion als Teil unserer Welt mit ihren Naturgesetzen glaubwürdig zu machen. Es ist immer ein schöner Moment, wenn ein Bild doch noch „rund“ wird. Die blauen Streifen sind übrigens Glasstangen, die ich bei einer Glasbläserin fotografiert habe.


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